Unsere Website ist neu. Sie sieht anders aus, sie ist schneller, und sie ist ehrlicher, was ihre eigenen Zahlen angeht. Gebaut hat sie zum größten Teil eine KI. Entschieden haben wir.
Das klingt nach einem großen Projekt. War es nicht. Die neue Seite war über Monate immer mal wieder Thema, mal eine Stunde hier, mal ein Abend dort. Zusammengerechnet stecken darin nur ein paar Stunden Arbeit. Die übrige Zeit war Reifezeit: Positionierung schärfen, Texte liegen lassen, Entscheidungen noch einmal überdenken. Genau dafür hätte im Tagesgeschäft sonst keine Zeit gereicht.
In diesem Beitrag erzählen wir, wie wir dabei vorgegangen sind, warum wir uns für Grav entschieden haben und was uns die ersten Zahlen über unsere alte Seite verraten haben.
Die Idee kam aus einem Kundengespräch
Den Anstoß gab ein Gespräch mit einem Kunden. Sein Vorschlag für eine moderne Website war einfach und hat uns überzeugt:
- Zuerst mit der KI sauber ausarbeiten, wer die Zielkunden sind.
- Daraus Struktur und Inhalte ableiten – mit einer klaren Positionierung statt eines Bauchladens.
- Die Seite von der KI bauen lassen.
- Webanalyse und Google Search Console anbinden.
- Die Zahlen regelmäßig mit der KI auswerten und die Seite Schritt für Schritt verbessern.
Die ersten vier Punkte sind umgesetzt. Der fünfte beginnt gerade – und er ist der eigentlich spannende.
Warum Grav
Die alte Seite lief auf WordPress mit einem Seitenbaukasten. Für die neue haben wir uns für Grav entschieden, ein schlankes System, das ohne Datenbank auskommt.
- Alle Inhalte liegen als einfache Textdateien vor. Mensch und KI können sie direkt bearbeiten, und jede Änderung ist nachvollziehbar versioniert.
- Weniger Technik heißt weniger, was kaputtgehen oder angegriffen werden kann. Ein Baukasten mit vielen Erweiterungen bringt mehr Pflegeaufwand mit.
- Die Seite ist schnell und läuft auf ganz normalem Webhosting.
- Die aktuelle Version bringt eine Schnittstelle mit, über die KI-Werkzeuge später direkt mit der Seite arbeiten können.
Für eine Firmenwebsite mit überschaubarem Umfang ist das aus unserer Sicht die vernünftigere Größe.
Wie die Zusammenarbeit mit der KI aussah
Gearbeitet haben wir nicht mit einem einzelnen Modell, sondern mit mehreren: vor allem Claude, dazu Kimi K3 und GLM. Je nach Aufgabe war mal das eine, mal das andere besser geeignet.
Wichtiger als das Modell war die Arbeitsweise. Die KI hat umgesetzt, getestet und dokumentiert – Screenshots, Prüfung jeder Seite, Kontrolle nach jedem Upload. Bevor sie etwas geändert hat, kam immer zuerst ein Vorschlag: was sie verstanden hat, welche Annahmen sie trifft, was sie bewusst weglässt. Umgesetzt wurde erst nach unserem „Go“.
Das klingt bürokratisch, spart aber Zeit. Missverständnisse fallen auf, bevor etwas gebaut ist, und nicht erst danach.
Manche Dinge gingen mit KI schlicht schneller als von Hand. Ein Beispiel: Für eine Hintergrundaufgabe beim Hoster brauchte es eine bestimmte Einstellung, die nirgends dokumentiert ist. Die KI hat sie in wenigen Minuten gefunden. Allein hätten wir dafür vermutlich einen Nachmittag in Foren verbracht.
Kurz vor dem Start: noch einmal umgebaut
Eigentlich war die Seite fertig. Dann stand ein wichtiges Sicherheitsupdate der Plattform an, und beim Prüfen zeigte sich: Mittelfristig führt kein Weg an der neuen Hauptversion vorbei, also von Grav 1.7 auf Grav 2.
Wir hätten erst live gehen und später umbauen können. Wir haben es umgekehrt gemacht. Solange eine Seite noch nicht online ist, ist ein solcher Wechsel am günstigsten – niemand ist betroffen, nichts muss im laufenden Betrieb umziehen. Der Umstieg samt Tests war an einem Tag erledigt, am Abend ging die neue Seite live.
Dazu gehörten auch die kleinen Dinge, die man leicht vergisst: Alle alten Adressen leiten dauerhaft auf die neuen Seiten weiter, damit Links und Suchmaschinen-Einträge nicht ins Leere laufen. Das Kontaktformular hat einen Spamschutz bekommen, den Besucher gar nicht bemerken – kein Bilderrätsel, keine Dienste von Drittanbietern.
Der ehrlichste Teil: die Zahlen
Mit dem Relaunch haben wir uns zum ersten Mal genauer angesehen, was auf der alten Seite eigentlich passiert ist. Das war lehrreich.
- Rund vier von fünf Besuchen kamen nicht von Menschen, sondern von automatisierten Programmen.
- Echte Besucher gab es etwa 15 im Monat.
- Der häufigste Weg echter Besucher führte von der Startseite direkt ins Impressum. Wer sich für ein kleineres Unternehmen interessiert, will offenbar zuerst wissen, wer dahintersteckt.
- Ob über die Seite Anfragen kamen, ließ sich gar nicht sagen – das wurde schlicht nie gemessen.
- Und ein Blogartikel hatte in einem halben Jahr keinen einzigen Leser. Wir hatten ihn nie geteilt.
Nichts davon ist dramatisch. Aber es zeigt, wie wenig eine reine Besucherzahl aussagt. Die neue Seite misst deshalb gezielt, was zählt: ob eine Anfrage abgeschickt wird, ob jemand anruft oder schreibt, welche Angebote angeklickt werden und wie weit Blogartikel gelesen werden. Die Webanalyse läuft dabei auf unserem eigenen Server und ohne Cookies, solange niemand zustimmt.
Was wir bewusst nicht gemacht haben
- Kein großes Agenturprojekt und kein Seitenbaukasten mit dutzenden Erweiterungen.
- Keine Tracking-Dienste von Drittanbietern und kein Captcha, das Besucher lösen müssen.
- Nicht alles auf einmal. Blog, regelmäßige Auswertung und automatische Veröffentlichung folgen Schritt für Schritt.
Was wir mitnehmen
- Erst nachsehen, was wirklich passiert. Besucherzahlen ohne Filter sagen wenig. Die interessanten Fragen sind, wer kommt und was er tut.
- Größere Umbauten vor dem Start machen. Danach wird jeder Wechsel teurer.
- KI braucht klare Freigaben. Vorschlag, Annahmen, „Go“ – dann arbeitet sie schnell und zuverlässig.
- Ein Projekt darf reifen. Mit KI ist der eigentliche Bauaufwand klein geworden. Die Zeit fließt dorthin, wo sie hingehört: in Entscheidungen.
Wenn Sie das bei sich prüfen wollen
Ob Website, internes Werkzeug oder die Einführung einer neuen Software: Die Fragen sind oft dieselben. Was soll das System leisten, woran messen wir das, und wo kann KI die Umsetzung beschleunigen, ohne dass Sie die Kontrolle abgeben?
Genau das klären wir im Digital-Quick-Check – einem strukturierten Gespräch, in dem wir Ihr Vorhaben einordnen und den ersten sinnvollen Schritt festlegen.